06.08.2005: THE BUSTERS in GÖSSNITZ

Bericht von Jan

Wir schreiben den 06.08.2005. Es ist halb 5 Mittags. Das Wetter war angenehm. Es war sonnig, nicht zu heiß. In Sulzbach-Rosenberg treffem sich drei sympathische optimistische lebenslustige Jugendliche, um sich auf eine Reise zu begeben, die sie so schnell nicht vergessen werden und die ihren Optimismus und ihre Lebenslust auf eine harte Probe stellen sollte. Doch noch war das Grauen nicht zu erahnen, als ich, der lustige Jan, wie immer als letzter (aber ausnahmsweise pünktlich!) am Bahnhof aufkreuzte. Nachdem Anni nun zwei Wochen beim lustigen Daniel verbracht hatte, stellte diese Fahrt ihren Abschied dar, bevor sie sich wieder gen Ostsee verabschieden sollte.
Da ihr ICE am nächsten Tag in Nürnberg starten würde, verstauten wir ihr Gepäck am Nürnberger Hauptbahnhof in den berüchtigten Schließfächern, naja, zumindest in einem davon.Schon als wir gerade in Nürnberg angekommen waren, machten wir die Bekanntschaft mit Fußballfans des Vereins Dynamo Dresden. Fußball-Prolls erster Kajüte, die uns noch die ganze Fahrt über begleiten sollten. Am Bahnhof kauften wir uns Zeitschriften, ich außerdem noch 2 Flaschen Cola, nachdem mich die anderen zwei mit ihrem 2 Liter Vorrat an was weiß ich was überzeugt hatten, dass man das bräuchte, Daniel meinte ein paar Polizisten bzw. ihre Uniformen mit der SS vergleichen zu müssen, während sie neben uns standen und kaufte sich was zu Essen.
Die Fahrt verbrachten wir mit den Zeitschriften, die wir uns am Nürnberger Bahnhof gekauft hatten oder dem aufmerksamen Studieren der Subjelkte, die uns begleiteten und nette Sprüche àla "Hoch die radikale Fußball-Nationale" oder "Lauter Neger. Sind wir noch nicht im Osten?" von sich ließen. Fußball-Prolls sind ja schon toll, aber auf Fußball-Nazis hätten wir nun wirklich verzichten können. Nachdem wir ohne es wirklich zu wollen Kontakt zu etwas normaler scheinenden Dresdner Fußballfans aufnahmen, indem wir unsere Gesichter hinter meiner Titanic versteckten und diese am Bahnhof stehenden Gesellen meinten, wir wollten, dass sie sich das Titelbild anschauen, mussten wir uns von diesen verabschieden, als der Zug weiter fuhr. Weiter uns in den sicheren Tod, oder fast, nach Gößnitz, zu bringen.
Schon im Zug hatten wir uns über unheimlich hässliche Städte, an denen wir vorbeifuhren, lustig gemacht. Doch als wir in die Gößnitzer Innenstadt kamen, traf uns der Schlag. Gleich am ersten Kippenautomat prangte ein NPD-Aufkleber. Die Hauptstraße sah noch verhältnismäßig hübsch aus, doch der Rest der Stadt war einfach nur unbeschreiblich hässlich. Wir waren uns sicher in der hässlichsten Stadt der Welt angekommen zu sein. Auch das Wetter war unter aller Sau, wobei Experten davon ausgehen, dass das nichts mit der Stadt Gößnitz an sich zu tun hat. Noch dazu kam jedoch, dass das Kaff (4.000 Einwohner) schon um kurz vor 21 Uhr wie leer gefegt war. Die Restaurants und Kneipen hatten schon geschlossen, dabei hatten wir eigentlich geplant vor dem Aufsuchen des Festivalgeländes noch nett eine Pizza essen zu gehen...
Daraus wurde nichts. Stattdessen begaben wir uns auf die Suche nach dem Veranstaltungsort und gerade als Anni bemerkt hatte, dass sie ihren Personalausweis im Nürnberger Schließfach gelassen hat, wurden wir - wie der Volksmund so schön sagt - von die Bullen g'fickt. Ob wir Waffen und/oder Drogen dabei hätten. Naja, nicht, dass wir wüssten. Nach einer überaus gründlichen Durchsuchungsaktion seitens der sächsisch nuschelnden (dabei ist Gößnitz ja noch ganz knapp in Thüringen, pff) Polizei wurden wir weitergelassen. Von Anni wurde trotz Fehlen eines Ausweises komplett abgelassen, als sie die goldenen Worte "Mein Vater ist beim BGS" von sich gab. Merken!
Am Gelände angekommen mussten wir uns erst einmal in aller Dunkelheit durch den Campingplatz arbeiten. Dann erreichten wir das eigentliche Festival, es spielte irgendeine Band, die uns nicht sonderlich interessierte und gerade als wir uns in das Festzelt verkrochen hatten, begann es wie aus allen Kübeln zu schütten.
Zum Auftritt der Busters dann beruhig es sich Gott sei dank. Wir sicherten uns einen Platz in der ersten Reihe und als das Intro der Japanized-Tour ertönte, war die Welt wieder in Ordnung. Erfreulicherweise verhielt sich das Publikum nicht gemäß dem prolligen Eindruck, den es machte, sondern tanzte ganz friedlich, kein nerviges Gepoge, das hat man bei den Busters leider selten, sehr angenehm. Auch der Gig an sich war super. Die Busters spielten ihr Set leider mit leichten Kürzungen, weil man auf Grund von technischen Schwierigkeiten später beginnen musste. Auffallen ist auch etwas, was Des Todes sehr gut können, so starrten ich und Daniel uns beim "Summertime"-Springen bescheuerten Blickes an, machten unsere typischen Gesten (wer uns kennt, sollte wissen, was gemeint ist), was auch die Busters sehr zu unterhalten schien. Nach dem Konzert begrüßte uns Stephan (Busters-Pianist) mit den Worten "Ah, die Summertime-Kieker".
Wieder im Zelt angekommen, kam der große Absturz. Draußen spielte die (grottenschlechte) Band Freygang, drinnen war "Party". Unsere Stimmung sank auf den Nullpunkt, als der DJ (wohlgemerkt mit sächsischem Dialekt) aufzulegen begann ("Wir feiern dü ganzö Nacht durch") und irgendein Affe mit einer aufblasbaren Gitarre zu Liedern von Rammstein und noch unerträglicheren Vertretern deutscher Pop- und Rock-Musik zeigte, wie viel Gehirnzellen ihm in seinem letzten Suff abhanden gekommen sind. Noch dazu war es arschkalt. Eine halbe Stunde schaffte ich es mit dem Kopf auf dem Tisch zu schlafen (mit entsprechendem Abdruck danach). Nur Anni machte auf Grund des Fluchs ein hübsches Mädchen zu sein eine Bekanntschaft, die sich einfach zu uns gesellte (wie so oft auf Des Todes Fahrten in ihrem Beisein).
Irgendwann gegen 4 Uhr begaben wir uns in Richtung Bahnhof, als wir unsere Rettung vor dem Erfrierungstod entdeckten: eine Sparkasse! Der lustige Daniel ist Gott sei Dank Kunde bei dieser Einrichtung und verfügt über eine Kundenkarte, die uns Zugang zu diesem Tempel der Gnade gab. Dort verbrachten wir vom Busters-Auftritt abgesehen, unsere beste halbe Stunde in Gößnitz.Kurz vor Abfahrt gingen wir dann doch schweren Herzens von der Sparkasse weg und stiegen in den Zug richtung Heimat. Wir dachten, der Horror sei vorbei, doch weit gefehlt. Mit uns im Zug befanden sich zwei Schwachsinnige, die den Anblick eines Hutes derart komisch fanden, dass sie sich die ganze Fahrt über darüber amüsieren konnten. Nach 20 Minuten mussten wir umsteigen und waren zum Glück die Spinner los, doch so richtige Besserung spürte ich erst als wir Nürnberg erreichten. Dort gingen wir noch Burger frühstücken beim McDonals, verabschiedeten uns anschließend von Anni, die ihren ICE nach Hamburg erwartete und fuhren heim nach Sulzbach-Rosenberg und ich muss sagen, nie war ich glücklicher diese Stadt zu sehen! Nach diesem Erlebnis habe ich eine gewisse Liebe zu dieser Stadt aufgebaut, weiß ich doch jetzt, was ich daran habe...
Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf erfuhr ich dann von Flo, dass wir wohl einen historischen Busters-Gig gesehen haben. Ein neuer Sänger wird die Busters ab sofort unterstützen, näheres werden wir in Erlangen sehen und am nächsten Tag erhielt ich von Busters-Sänger Richie eine Mail mit folgendem Inhalt:

 

 

Hey sag mal...
das warst doch Du gestern im Publikum, oder???
Hatte keine Kontaktlinsen drin, ein kaputtes Bein... aber ich bin mir doch
sicher, daß Du das warst.
Wenn ja, warum nicht gesagt, daß Du kommst, GL wäre kein Problem gewesen.
In diesem Sinne,
R.

Das ist so ironisch, ein perfekteres Schlusswort für diesen Bericht kann es nicht geben.

P.S.: Ein Nachspiel hatte unser Besuch dann doch noch. Schon bald zierte den Gößnitz-Eintrag bei Wikipedia ein weiterer Abschnitt... nachzulesen, hier: Wikipedia-Beitrag


Bilder:


noch war alles gut...


Jan und seine Lektüre (man beachte den Dynamo Dreden Fan im Hintergrund)


Foto von Shiva


The spooky Dr. Phibes - Foto von Shiva


Gitarrengott Alex Lützke - Foto von Shiva


Foto von Shiva


Hardy Appich in Moscow - Foto von Shiva


Rob bläst zum Angriff - Foto von Shiva



es schaut geselliger aus, als es war...



das beschreibt Gößnitz schon besser...


Der Herr hinten beschreibt unsere Gesellschaft in Gößnitz ganz gut


in der traumhaften Sparkasse


The Busters hinterließen ihre Spuren


Das Paradies


Das Frühstück

 

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